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Klinische Chemie > CH-50 (Gesamthämolytische Komplementaktivität)

CH-50 (Gesamthämolytische Komplementaktivität)

Synonym
CH50; Gesamtkomplement
Material
Serum 1,0 ml
Methode
photometrische Bestimmung
Einheit
U/ml
Referenzbereich

32 - 58

 
Fremdversand
Akkreditiert
Ja

Allgemeines

Das Komplementsystem ist Teil des angeborenen Immunsystems und ergänzt die humorale und zelluläre Abwehr des Organismus. Im Gegensatz zum erworbenen Immunsystem wirken die Komponenten des angeborenen Immunsystems sofort, ohne Latenzzeit, und sind im Plasma gelöst. Das Komplementsystem wird durch Oberflächenstrukturen von Mikroorganismen, Parasiten, Tumorzellen oder Viren, aber auch von inerten Oberflächen (Kunststofen) aktiviert und führt zu deren Zerstörung. Eine unkontrollierte, überschießende Aktivierung durch körpereigene Oberflächen erfolgt z.B. im Verlauf vieler Erkrankungen (z.B. Glomerulonephritis, hämolytisch-urämisches Syndrom, paroxysmale nächtliche Hämaturie, systemischer Lupus erythematodes, altersbedingtes Macula-Ödem, angioneurotisches Syndrom und führt zu Gewebeschäden.

Das Komplementsystem hat Gemeinsamkeiten mit dem Gerinnungssystem: Es erfolgt eine kaskadenartige Aktivierung diverser Serinproteasen. Es bestehen mehrere Aktivierungswege mit einer gemeinsamen Konvergenz auf ein zell-lytisches Endprodukt (Membranperforationskomplex). Es erfolgt eine Regulation über spezifische Inhibitoren. Die einzelnen Komponenten des Komplementsystems sind positive akute-Phase Proteine und werden vor allem in der Leber synthetisiert. Im Rahmen der jeweiligen Erkrankungen ist auch ein Verbrauch möglich. Eine Aktivierung des Komplementsystems kann überschießend sein. Als Cofaktor werden Kalziumionen benötigt.

Die Aktivierung des Komplemenmtsystems erfolgt über drei verschiedene Wege:
1. "Klassischer" Weg: Antigen-Antikörper-Komplexe mit C1q als Aktivierungsprodukt.
2. "Lektin" Weg: Aktivierung durch mit MBL (Mannose-bindendes Lektin) als Aktivierungsprodukt.
3. "Alternativer" Weg: Properdin und C3b als Aktivierungsprodukt. Dieser Weg ist phylogenetisch der älteste. C3a wird durch alle Oberflächen, auch durch Kunststoffe), aktiviert.

Der CH50-Test misst die 50%ige Lyse von mit Antikörpern bedeckten (Schafs)-Erythrozyten durch das "klassische" Komplementsystem. Es stellt einen globalen Test dar zur Aktivitätsbestimmung des (klassischen) Weges des Komplementsystems dar und entspricht der Lysekapazität dieses klassischen Weges. Eine bereits bestehende in-vivo Aktivierung des Komplementsystems, oder ein Mangel an einzelnen Komplementproteinen, führt zu einer geringeren in-vitro Komplementaktivierung im Test und einer entsprechend geringeren Hämolyserate. Alle entzündlichen Erkrankungen erhöhen die CH50 Aktivität (akute Phase); Autoimmunerkrankungen verbrauchen das Komplementsystem und erniedrigen daher die CH50-Lyse-Kapazität.

Literatur:
Michael Kirschfink, Tom E. Mollnes. Modern Complement Analysis, Clinical and Diagnostic Laboratory Immunology, Nov. 2003, p. 982–989
Thomas Labor und Diagnose 2005, 6. Auflage Seite 1123-1137
Takemura S et al. Cold activation of complement . Arthritis Rheum. , 1982, 25, p. 1138-1140

Indikation

Verdacht auf Autoimmunerkankungen, bei jeder Erstuntersuchung des Komplement-Systems sollte zunächst die CH50-Aktivität bestimmt werden. Zur besseren Befundinterpretation bietet sich ggf. die weiterführende Bestimmung der Aktivität weiterer Einzelkomplementfaktoren an.

Präanalytik

Blutentnahme im Labor oder Probe 30 min nach Blutentnahme abzentrifugieren und Serum tiefgefroren ins Labor transportieren.

Das Gerinnen der Serum-Probe sollte idealerweise bei Raumtemperatur, besser noch bei 37 Grad Celsius, erfolgen. Bei niedriger (Kühlschrank-) Temperatur kann es bei Patienten mit Anwesenheit von Kryglobulinen zu einer Kälteaktivierung des Komplementsystems kommen. Bis zur Analyse sollten Proben für die Bestimmung der CH50-Aktivität idealerweise nicht gekühlt werden.

Citrat und EDTA stören die gesamthämolytische Aktivität, bitte Serum einsenden.

Bewertung

Messwerte erniedrigt: angeborener Mangel an Komplementfaktoren, Autoimmunerkrankungen, hierbei insbesondere beim systemischen Lupus Erythematodes, Immunkomplexerkrankungen, insbnesondere Glomerulonephritis, Lebererkrankungen (bedingt durch verminderte Synthese der Komplementfaktoren), Nephritis, Vaskulitis, Meningitis, Kryoglobulinämie, Kollagenosen, Immunkomplexerkankungen, Transfusionszwischenfälle, immunhämolytische Anämien, hereditäres Angioödem, Immundefekte bei rezidivierenden Infektionen.                                                                                                   
Messwerte erhöht: ohne diagnostische Relevanz, kompensatorisches Auftreten bei akute-Phase Reaktionen, bakteriellen Infektionen, akuten oder chronischen Infektionen

nur erniedrigte Messwerte gelten als pathologisch; erhöhte Messwerte sind ohne pathologische Relevanz

Durchführung

1x/Woche