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  • Synonym

    Mi-2alpha, Mi-2beta, TIF-1gamma, MDA5, NXP2, Ku, PM-Scl100/PM-Scl75, SRP, Jo-1, PL-7, PL-12, EJ, OJ, SAE und Ro-52.
  • Material

    Serum 1 ml
  • Methode

    Line-Assay
  • Referenzbereich

    negativ

  • Akkreditiert

    Ja
  • Allgemeines

    Qualitative Bestimmung von Autoantikörpern der Klasse IgG im Serum gegen Mi-2alpha, Mi-2beta, TIF-1gamma, MDA5, NXP2, Ku, PM-Scl100/PM-Scl75, SRP, Jo-1, PL-7, PL-12, EJ, OJ, SAE und Ro-52.

    Antikörper gegen Mi-2 (nukleäre Helikase) mit ihren Untereinheiten Mi-2alpha (CHD3) und  Mi-2beta (CHD4) sind hochspezifisch (>95%) für eine Dermatomyositis (DM). Sie werden bei 15-30% der adulten und 10-15 % der juvenilen DM gefunden. Anti-Mi-2alpha Antikörper sind in ihrer diagnostischen Bedeutung identisch mit Antikörpern gegen Mi-2. Der Nachweis von Mi-2-Antikörpern mit einem eher milden Verlauf, seltenerer Lungenmanifestationen und mit einer guten Ansprechbarkeit auf Glukokortikoidtherapie assoziiert. Allerdings besteht eine Assoziation zwischen Antikörpern gegen Mi-2beta und Malignomen (Kolon-, Mammakarzinome). Mi-2 Antikörper können zusammen mit TIF-1gamma Antikörpern auftreten.

    TIF-1gamma gehört zur TRIM (tripartite motife) Proteinfamilie und reguliert TGF-beta vermittelte Zellwachstums- und Differenzierungsprozesse. Antikörper gegen TIF-1gamma treten vor allem bei der DM auf und sind bei bis zu 23% bzw. 38 % der Fälle im Erwachsenen bzw. Kindes- und Jugendalter nachweisbar. In Patienten älter als 40 Jahren besteht eine hohe Assoziation mit Tumoren, bei Kindern und jungen Erwachsenen dagegen nicht. Klinisch ist der Verlauf einer TIF-1gamma Antikörper-Myositis häufig mit kutanen Ulzerationen und Lipodystrophie verbunden.

    Antikörper gegen MDA5 wurden zuerst in Seren erwachsener Patienten mit klinisch amyopathischer Dermatomyositis (CADM) beschrieben und erkennen ein als CADM-140 bezeichnetes zytoplasmatisches 140 kD Protein. CADM-140 wurde mittlerweile als Interferon-induziertes Melanom-Differenzierungs-Antigen 5 (MDA5), einem Rezeptor für virale RNA, identifiziert. MDA5 Antikörper wurden mit einer Frequenz von bis zu 35% in erwachsenen und juvenilen asiatischen DM-Patienten nachgewiesen. Die klinische Symptomatik in dieser Patientenpopulation umfasste neben der amyopathischen Myositis typischerweise eine pulmonale Beteiligung in Form einer schnell fortschreitenden und mit hoher Mortalität verbundenen ILD. In DM-Patienten kaukasischen Ursprungs liegt die Frequenz von MDA5 Antikörpern mit 7-15% deutlich niedriger als bei Asiaten. Diese Patienten zeigen meist eine hypomyopathische Krankheitsform und weniger schnell verlaufende ILD sowie Hautulzerationen und schmerzhafte palmare Papeln. MDA5 Antikörper treten häufig gemeinsam mit Ro52-Antiköpern auf.

    Antikörper gegen NXP-2 (nuclear matrix protein-2) wurden zuerst in JDM-Patienten mit einer Frequenz von ca. 25% beschrieben. Später wurden sie auch in einer italienischen Kohorte von 58 erwachsenen IIM-Patienten in 30% der DM- und 8% der PM-Fälle nachgewiesen. In einer größeren japanischen Studie in 507 erwachsenen Myositis-Patienten zeigte sich dagegen mit jeweils 1,6% der DM- und PM-Fälle eine deutlich niedrigere Rate von NXP-2 positiven Patienten. Zielstruktur der Antikörper ist das nukleäre Matrixprotein NXP-2/MORC3, welches an der Regulation der p53-vermittelten Zellseneszenz im Zusammenhang mit onkogenen Signalen beteiligt ist. Patienten mit NXP-2 Antikörpern haben in der Regel einen schwereren Krankheitsverlauf verbunden mit Muskelkontrakturen und –atrophie sowie Calcinosis cutis.

    Ku-Antikörper richten sich gegen das DNA-bindende Protein p70/p80 und die DNA-abhängige Proteinkinase p350. Ku-Ak sind nicht spezifisch für eine Erkrankung, sondern sind assoziiert mit klinischen Manifestationen verschiedener sytemischer Autoimmunerkrankungen (z.B. Myositis, Arthritis).

    Bei etwa  20 % der Patienten mit Überlappungssyndrom Polymyositis/Sklerodermie sind Ku-Ak nachweisbar. Etwa 23 % der Patienten mit primärer pulmonaler Hypertonie und bis zu 10 % der SLE Patienten können Ku-Antikörper im Serum haben. Es handelt sich also eher um einen Antikörper, der bei Patienten mit Overlap Syndromen gefunden werden kann. Er ist assoziiert mit einem guten Ansprechen auf immunsuppressive Therapie.

    PM/Scl-Antikörper richten sich gegen PM-Scl 100 und PM-Scl 75. Sie sind auch als PM1, Scl-B, und PL-6 Antikörper bekannt. Das Antigen ist ein Exosom, ein Komplex aus 11-6 Proteinen des Nukleolus und Nukleoplasmas mit einer entscheidenen Rolle beim RNA-Processing. Die Antikörper werden fast ausschliesslich bei Patienten mit Polymyositis, Sklerodermie bzw. einem Überlappungssyndrom aus beiden Erkrankungen gefunden.

    Signalerkennungspartikel (SRP) sind Molekülkomplexe, die aus 7S-RNA und sechs verschiedenen zytoplasmatisch lokalisierten Proteinen bestehen. Sie vermitteln den Transport neu synthetisierter Proteine in das endoplasmatische Retikulum. Antikörper gegen SRP findet man bei 3-7% der erwachsenen IIM Patienten, bei der JIIM liegt die Frequenz deutlich darunter. Patienten mit SRP-Antikörpern entwickeln meist eine akut einsetzende, schnell progrediente  Myopathie mit schwerer Muskelschwäche aber ohne Hauterscheinungen und nur geringer Lungenbeteiligung und sprechen vergleichsweise schlecht auf eine medikamentöse Therapie an.

    Anti-Synthetase-Antikörper lassen sich bei 25-30% der Erwachsenen mit IIM aber nur bei ca. 5% der juvenilen Patienten nachweisen. Sie richten sich gegen zytoplasmatische Enzyme, welche die Bindung von Aminosäuren an ihre spezifische t-RNA katalysieren. Dazu zählen Antikörper gegen die Histidyl- (Jo-1), Threonyl- (PL-7), Alanyl- (PL-12), Isoleucyl- (OJ), Glycyl- (EJ), Asparaginyl (KS), Phenylalanin- (Zo) und Tyrosil- (Ha) t-RNA-Synthetasen. Jo-1 Antikörper sind die häufigsten anti-Synthethase-Antikörper und werden vor allem bei Poly-/Dermatomyositis nachgewiesen. Sie sind häufig mit Ro-52 Antikörpern assoziiert und weisen dann prognostisch auf einen schwereren Krankheitsverlauf hin. PL7– und PL-12-Antikörper werden nur bei 2-3% der Myositis-Patienten gefunden, die anderen Antikörper noch seltener. Die Anti-Synthethase-Antikörper sind mit dem sogenannten Anti-Synthetase Syndrom (Kombination von Myositis und fibrosierender Alveolitis) assoziiert. Insbesondere bei den Nicht-Jo1-Antikörpern kann die interstitielle Pneumonie auch als Erstmanifestation und ohne weitere extra-pulmonale Symptome (amyopathische Verlaufsformen) auftreten.

    Das Zielantigen von SAE-Antikörpern ist das SUMO (small ubiquitin-like modifier) Aktivierungs-Enzym. Die Erstbeschreibung erfolgte bei erwachsenen DM Patienten mit einem zunächst amyopathischen Krankheitsbeginn, die jedoch im weiteren Verlauf häufig eine Myositis mit systemischer Beteiligung wie Dysphagie und gastrointestinalen Erkrankungen entwickelten. Eine pulmonale Beteiligung ist selten. SAE-Antikörper werden bei ca. 8% der erwachsenen kaukasischen DM-Patienten gefunden. Bei der juvenilen IIM scheinen sie jedoch deutlich seltener vorzukommen.

    Ro-52 Antikörper bzw. SS-A-52 Antikörper richten sich gegen eine E3-Ubiquitin-Ligase und werden in etwa 12 % der Patienten mit Myositis bzw. 17 % der Patienten mit Polymyositis-Sklerodermie Überlappungssyndrom nachgewiesen. Es ist der am häufigsten nachweisbare Antikörper bei Polymyositis mit Anti-Synthetase-Syndrom. Die Koexistenz von Ro-52 und Jo-1 Antikörpern spricht für einen eher schweren Verlauf einer Polymyositis (schlechtere Prognose und Gelenkbeteiligung).

  • Indikation

    V.a. Myositis
    V.a. Overlap-Syndrome
    Prognose eines Anti-Synthetase Syndroms
    Abklärung idiopathischer interstitieller Lungenerkrankungen

  • Durchfuehrung

    1x/Woche