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Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH)

Bei der PNH liegt eine erworbene Mutation im PIGA-Gen auf Xp22.1 vor. Daraus resultiert eine Störung der Verankerung von Glykoproteinen in der Zellmembran (der sogenannte GPI-Anker ist gestört). Zu den davon betroffenen Proteinen gehören auch die Proteine CD55 und CD59, die eine komplementinhibierende Funktion haben. Infolge des Fehlens von CD55 und CD59 kommt es bei PNH-Patienten zu einer chronischen oder anfallsartigen Komplementaktivierung. Leitsymptome der PNH sind die Coombs-negative Hämolyse, Thromboseneigung (häufig mit atypischer Lokalisation), periphere Zytopenie einer oder mehrerer Reihen und ggf. auch eine renale Funktionseinschränkung (durch Mikrothromben). Die Symptome der PNH-Patienten hängen entscheidend von der Größe des PNH-Klons ab. Nicht selten tritt die PNH im Kontext anderer hämatologischer Erkrankungen auf – häufig mit der Aplastischen Anämie, seltener bzw. weniger ausgeprägt mit Niedrigrisiko-Myelodysplastischen Syndromen.

Durchflusszytometrie

Der diagnostische „Goldstandard“ für die Diagnosestellung einer PNH ist die durchflusszytometrische Untersuchung des peripheren Blutes auf Expression GPI-verankerter Proteine. Die Leitlinien der DGHO (Stand: März 2012) verlangen die Untersuchung von mindestens 2 verschiedenen Markern (GPI-verankerte Proteine oder GPI-Anker selbst). Mindestens Granulozyten und Erythrozyten sollten untersucht werden. Der Anteil des PNH-Klons kann am besten anhand des Anteils GPI-defizienter Granulozyten abgeschätzt werden, da dieser nicht durch Hämolyse oder Transfusionen beeinflusst wird.

Wichtig ist die Probenlogistik: die eingesandte Probe muss möglichst frisch, d. h. innerhalb 48 Stunden analysiert werden. Probenabnahmen am Freitag oder vor Feiertagen sind daher zu vermeiden. Bei Transportzeiten > 24 Stunden sollte die Probe gekühlt werden (+1 bis +10 oC).

Indikationen für die Diagnostik

  • Coombs-negative Hämolyse
  • Thrombosen, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:
    • Atypische Lokalisation (Sinusvenenthrombose, Budd-Chiari, etc.)
    • Thrombosen in Verbindung mit unklarer Zyto­penie
    • Thrombosen unklarer Ursache, arterielle Thrombosen
  • Verdacht auf aplastische Anämie
  • Verdacht auf myelodysplastisches Syndrom
  • Rezidiverende Schmerzzustände bei gleichzeitig vorhandenen Zeichen einer Hämolyse