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Klinische Chemie > Urinsediment

Urinsediment

Material
Urin 10 ml
Referenzbereich

Erythrozyten: <20/µl
Leukozyten: <25/µl
Bakterien: negativ

Akkreditiert
Ja

Allgemeines

Folgende geformte Bestandteile des Urins werden flowzytometrisch erfasst:

    Erythrozyten
    dysmorphe Erythrozyten
    Erythrozytenkonglomerate
    Leukozyten
    Leukozytenkonglomerate
    Plattenepithelien
    Nicht-Plattenpithelien
    Übergangsepithelien
    Nierenepithelien
    Ovale Fettkörperchen
    Fett
    Schleim
    Spermien
    Leukozytenzylinder
    Erythrozytenzylinder
    Pathologische Zylinder
    hyaline Zylinder
    Epthelzylinder
    granulierte Zylinder
    zelluläre Zylinder
    breite Zylinder
    Fettkörnchenzylinder
    Wachszylinder
    Tripelphosphat-Kristall
    Calciumoxalat-Kristall
    Calciumphosphat-Kristall
    Calciumcarbonat-Kristall
    Harnsäure-Kristall
    Leucin-Kristall
    Zystin-Kristall
    Tyrosin-Kristall
    amorpher Kristall
    Nicht-klassifizierbarer Kristall
    Artefakt
    Sprosspilze
    Pilzfäden
    Fettkörnchenzellen
    Trichomonas vaginalis
    Bakterien

Literatur: S.Althoff, J.Kindler, Das Harnsediment,7. Aufl. 2005
P. Hoffmann, C.. Hoffmann, R. Ziebig, M. Zimmermann, Evaluation of the iChem Velocity urine chemistry analyzer in a hospital routine laboratory,Clin Chem Lab Med 49:509-513, 2011

Indikation

Urinproben mit Auffälligkeiten im maschinellen Urin-Sediment, die der mikroskopischen Abklärung bedürfen, Nachweis von Erythrozyten, Leukozyten, Zylindern und Epithelien als Hinweis auf Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege, Abklärung eines positiven Befundes beim Streifentest- Screening (Proteinurie, Erythrozyturie, Leukozyturie)

Präanalytik

Screening: Urinröhrchen ohne Zusatz (möglichst Mittelstrahlurin)
Nephrologisch- urologische Patienten: erster oder zweiter Morgenurin als Mittelstrahlurin empfohlen.

Abnahmebedingungen: Eine Genitaltoilette vor der Probengewinnung ist  unbedingt erforderlich.

Lagerstabilität: Urin nicht älter als 2 Stunden

Störfaktoren: Alkalischer und hypotoner Urin begünstigen rasche Auflösung von Z ylindern und Zellen; dies lässt sich  vermeiden durch Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz 8 - 10 Stunden vor Gewinnung des ersten morgendlichen Mittelstrahlurins. Gelagerter  Urin oder Proben, die Konservierungsmittel enthalten, können von den verwendeten Chemikalien beeinträchtig werden. Erythrozyten falsch negativ ab 1g täglicher Einnahme von Ascorbinsäure, falsch positiv durch Rückstände chlor- oder jodhaltiger Reinigungs- oder Desinfektionsmittel. Leukozyten falsch positiv durch Formaldehyd, hohe Aktivität tubulärer Esterase.

Bewertung
Epithelien Die diagnostische Bedeutung der Epithelien ist, mit Ausnahme der Rundepithelien, eher gering. Unter Rundepithelien versteht man sowohl Urothelzellen aus den ableitenden Harnwegen (= Übergangsepithelien, vermehrt bei entzündlichen Prozessen) als auch Tubuluszellen (= Niereneithelien, vermehrt bei pathologischem Geschehen in der Niere).
Leukozyten Vereinzelt ohne Bedeutung; primär pathologisch vermehrt bei entzündlichen und eitrigen Prozessen der Harnwege, sekundär pathologisch vermehrt bei chronischer Appendizitis; physiologisch vermehrt bei körperlicher Belastung und Fieber.
Erythrozyten Hämaturie: Glomerulonephritis, mechanische Verletzungen der Harnwege (Steine), Neoplasmen in der Blase. Dysmorphe Erythrozyten oder Akanthozyten lassen eine Lokalisierung der Blutung zu. Die Bestimmung von dysmorphen Erythrozyten (z.b. Akantozyten) kann nur im frischen noch warmen Urin erfolgen.
Bakterien Infektion
Hefen Infektion, Auftreten nach Antibiotikatherapie möglich.
Pathologische Zylinder Zu beachten: Eine Klassifizierung wird nur bei gezielter Anforderung vorgenommen und bei der Urin-Kammerzählung bei Kindern.
Granulierte Zylinder: auftreten auch bei Gesunden kurz nach körperlicher Anstrengung
bei allen akuten und chronischen Nierenerkrankungen, besonders bei der Glomerulonephritis
Leukozytenzylinder: Charakteristisch für Pyelonephritis, mitunter bei Glomerulonephritis
Erythrozytenzylinder: Bei stärkeren Blutungen und längerem Verweil in den Harnkanälen stark zusammen gepresst (Form kann vollständig verloren gehen)
Wachszylinder: Anfangsstadium der akuten diffusen Glomerulonephritis, amyloiden Entartung der Niere
Epithelzylinder: Nach Wiedereintritt der Diurese bei akutem Nierenversagen, bei aufgetretenen ischämisch oder toxisch bedingten Tubulusnekrosen
Bei schweren Viruserkrankungen und Zytostatika
Fettkörnchenzylinder: Entstehen wahrscheinlich bei länger anhaltenden subakuten und chronisch entzündlichen Nierenprozessen
Bakterienzylinder: Öfter bei Pyelonephritis
Kristalle Eine Klassifizierung findet nicht statt, Ausnahme Urin-Kammerzählung bei Kindern anorganisch: bei Steinbildner von Bedeutung, sonst nahrungsabhängig ohne klinische Bedeutung
organisch: Hinweis auf Stoffwechselstörungen
Die wichtigsten Kristalle Tri-Magnesium-Phosphat (Erdphosphate): Phosphaturie bei Neuropathien
Harnsäure: Fieber, harnsäure Diathese
Calziumoxalat: Nach Genuss oxalsäurehaltiger Nahrung; häufiger bei Diabetes, Ikterus
Di-Calziumphosphat: Phosphaturie bei Neuropathien
Ammoniummagnesiumphosphat (Tripelphosphat): Cystitis
Leuzin: meist zusammen mit Tyrosin bei degenerativen Zuständen der Leber; Phosphatvergiftungen; akuter gelber Leberatrophie
Cystin: Angeborene Stoffwechselanomalie bei homzygoten Individuen oft schwere Nierensteinleiden
   
   
Durchführung

wochentags von 8:00-20:00 Uhr, Sa. u. So. 8.00-15:00 Uhr Routineparameter