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Hämostaseologie > Fibrinogen

Fibrinogen

Synonym
Faktor I
Material
Citrat-Blut 3 ml
Methode
Koagulometrie Methode nach Clauss
Einheit
g/l
Referenzbereich

1,6 bis 4,0

Akkreditiert
Ja

Allgemeines

Fibrinogen (Faktor I) ist als Substrat des Thrombins und des Faktor XIII ("fibrinstabilisierender Faktor") das zentrale Substrat der Blutgerinnung.
Es spielt weiterhin eine wesentliche Rolle als Adhäsivprotein der Thrombozyten bei der Thrombozytenaggreagation. Als Substrat des Plasmins kommt dem Fibrinogen auch eine zentrale Rolle in der Fibrinolyse zu.
Fibrinogen wird in der Leber synthetisiert, seine biologische Halbwertzeit beträgt 3- 5 Tage. Es gehört zur Gruppe der Akute-Phase-Proteine, bei entzündlichen Reaktionen steigt es mit einer Verzögerung von 24-48 Stunden auf abnorm hohe Konzentrationen an.
Bei Leberparenchymschäden kann es infolge von Synthesestörungen zum ausgeprägten Fibrinogenmangel kommen. Meist beruht der Fibrinogenmangel jedoch auf einem erhöhten Verbrauch, z.B. durch Verbrauchskoagulopathie, Verlustkoagulopathien und Hyperfibrinolysen.

Literatur:
M. Neermann-Arbez;Molecular basis of fibrinogen deficiency. ;Pathophysiol Haemost Thromb. 35, 187 (2006)
M.T. Cunningham et al.;Laboratory diagnosis of dysfibrinogenemia.;Arch Pathol Lab Med. 126, 499 (2002).
W. Weisel;Fibrinogen and fibrin. ;Adv Protein Chem. 70, 247 (2005)
A. Clauss.;Gerinnungsphysiologische Schnellmethode zur Bestimmung des Fibrinogens;Acta Haematl (Basel) 17, 237 (1957)
M. Barthels.;Das Gerinnungskompendium. ;Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York. 2. Auflage 2013, S. 421 ff

Indikation

pathologische TPZ und/oder aPTT
Überwachung fibrinolytischer Therapien
Verlaufskontrolle bei Verbrauchskoagulopathie und Lebererkrankungen
postpartale Blutung
Verdacht auf Hyperfibrinolyse
Überwachung einer Substitution mit Fibrinogen-Konzentrat
Verdacht auf angeborenen Fibrinogenmangel oder Dysfibrinogenämie (selten)

Präanalytik

Abnahmebedingungen:
Die Blutentnahme soll mit einer möglichst weitlumigen Kanüle erfolgen, für Erwachsene mindestens 21 G, entspricht 0,8 mm oder 20 G entspricht 0,9mm. (Diese Kanülen sind bei dem derzeit in der Charite und bei Vivantes verwendeten System grün bzw. gelb). Für Kinder können 23 G, entsprechend 0,6 mm-Kanülen verwendet werden. Die Stauung der Vene darf 1 Minute nicht überschreiten, nach Punktion der Vene soll die Stauung gelöst werden.
Das Mischungsverhältnis von 1 Teil Citrat zu 9 Teilen Blut muss korrekt eingehalten werden, deshalb Citratröhrchen immer bis zur Markierung füllen. Das  Entnahmeröhrchen muss sofort nach dem Abziehen von der Kanüle/dem Butterfly  vorsichtig durch 4-5-maliges Überkopfschwenken gemischt werden, dabei ist Schaumbildung zu vermeiden.
Das Gerinnungsröhrchen soll nicht zuerst abgenommen werden, idealerweise nach einem  Serumröhrchen ohne Zusatz. Vor allem bei Verwendung von Schlauchsystemen immer ein anderes Röhrchen vorher füllen (Volumen im Schlauch fehlt sonst im Citratröhrchen und kann zu einem falschen Mischungsverhältnis führen).
Transport / Lagerung:
Proben bei Zimmertemperatur umgehend in das Labor transportieren (spätestens innerhalb von 2 Stunden, die Bearbeitung muss im Allgemeinen innerhalb von  4 Stunden abgeschlossen sein), sonst Plasma 2x abzentrifugieren und einfrieren. Nicht im Kühlschrank lagern.
Störfaktoren:
Mikrogerinnsel durch Gerinnungsaktivierung bei traumatischer Blutentnahme (Freisetzung von Gewebsthromboplastin) oder unzureichendes Mischen. Fibrinolyseaktivierung durch zu langes Stauen. Bei Abnahme aus i.v.-Zugängen kommt es zu Verunreinigungen durch Blocken/Spülen mit Heparin oder Infusionslösungen. Deshalb mindestens 10 ml Blut verwerfen.
Starke Hämolyse kann zu einer Verkürzung der Gerinnungszeiten führen.

Bei einem Hämatokrit > 0,55 l/l bitte präparierte Röhrchen im Labor anfordern, da hier die Citratmenge vermindert werden muss. (Nicht bei Neugeborenen!)

Bewertung

Erniedrigte Werte:
Erworben
durch Verbrauch, z.B. Verbrauchskoagulopathie, Hyperfibrinolyse mit Spaltprodukthemmung der Polymerisation des Fibrins
schwere Leberparenchymerkrankungen
fibrinolytische Therapie, Therapie mit Thrombininhibitoren
angeboren
Hypo-, A- oder Dysfibrinogenämie

Erhöhte Werte:
Akute-Phase-Reaktion, postoperativ, Diabetes mellitus, Schwangerschaft, KHK, Nikotinabusus, akute venöse Thromboembolie, Apoplex, Neoplasien

Durchführung

wochentags von 8:00-20:00 Uhr, Sa. u. So. 8.00-15:00 Uhr Routineparameter
Messung von Notfällen jederzeit möglich